"Die 5-Prozent-Hürde"
Am Dienstag vergangener Woche peitschte eine Mehrheit aus SVP und FDP eine die demokratische Repräsentation ad absurdum führende Motion durch den Grossen Rat. Der aus der freisinnigen Fraktion stammende Vorschlag sieht die Einführung einer 5-Prozent-Hürde im Kanton Aargau vor. Die Schweiz ist auf nationaler Ebene von derlei Experimenten bisher verschont geblieben, aber beim Blick über die nördliche Landesgrenze, nach Deutschland, sieht man, was für eine krude Form der Volksvertretung durch diese Hürde entsteht. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr erreichte die Piratenpartei in der Bundesrepublik zwei Prozent. Mit einem solchen Ergebnis wären dieser Strömung in der Schweiz schon zwei, drei Nationalratssitze zugefallen, aber in Deutschland verpufft die Energie der Piratenaktivisten genauso wie die Stimmen von etwa einer Million Menschen, welche den Freiheitskämpfern im Cyberspace politische Verantwortung übergeben wollten.
Ein anderer Aspekt ist die tiefe
gesellschaftliche Spaltung in den neuen Bundesländern, die sich nicht in
Luft auflöst, sobald die neofaschistische NPD auf 4,9 Prozent absinkt,
doch die grosse Panik schwappt bloss über die Fernsehkanäle, wenn die
Nazis den Sprung in die Parlamente schaffen.
Man mag über den Zustand
der deutschen Demokratie urteilen wie man will, aber definitiv kränkeln
tut sie am Bosporus. In der Türkei gilt eine 10-Prozent-Hürde, was dazu
führt, dass der Löwenanteil der Wählerinnen und Wähler im Parlament
nicht repräsentiert wird und die Leute massenweise in die Arme der
alteingesessenen Parteien getrieben werden.
Hier erkennt man auch
den Nutzen, den FDP und SVP aus einer solchen Hürde ziehen. Mit der
Einführung des neuen Wahlsystems, dem doppelten Pukelsheimer, sind die
Wahlchancen für rechte Splitterparteien - Schema SD, bürgerlich-urchigem
Gehabe - Schema BDP, sowie bürgerlich-alternativen Traumtänzereien –
Schema GLP - massiv gestiegen. All diese Parteien fischen im selben
Wählerspektrum wie FDP und SVP. Natürlich ist es für eine
SVP-Kantonalpartei ein Muss, sich mit der quasi inhaltsgleichen
Abspaltung, BDP, zu streiten. Aber die selbsternannten Volkstribune
offenbaren einmal mehr ihr wahres Gesicht, wenn sie dabei Gesetze
absegnen, die gegen demokratische Grundprinzipien verstossen.
